Was passiert in den Wechseljahren?

Jede Frau kommt in die Wechseljahre bzw. das Klimakterium (griech. klimaktér „Stufenleiter“). Aufgrund einer Vielzahl von Beschwerden, die sie hervorrufen, haben Wechseljahre keinen guten Ruf. Medizinisch betrachtet markieren sie aber genau genommen nur das Ende der weiblichen Fortpflanzungsfähigkeit. Dazu wird die Produktion der Hormone, der Sexualhormone, heruntergefahren. Das evolutionäre Ziel dieses Prozesses besteht nicht darin, Frauen leiden zu lassen; sie sollen keine Kinder mehr kriegen.

Hormone sind die treibende Kraft in den Wechseljahren

Abschied vom Menstruationszyklus

Bis zum Beginn der Wechseljahre sorgen Hormone dafür, dass im weiblichen Organismus ein monatlicher Zyklus abläuft. Der Menstruationszyklus dauert durchschnittlich 28 bis 30 Tage und beginnt jeweils mit der Menstruationsblutung, dem Aufbau einer neuen Gebärmutterschleimhaut und dem Eisprung. Wird die Eizelle befruchtet, setzen die Monatsblutungen bis zur Geburt eines Kindes aus. Findet keine Befruchtung mit männlichen Spermien statt, wird die Gebärmutterschleimhaut abgestoßen. Und ein neuer Menstruationszyklus beginnt, der von den weiblichen Geschlechtshormonen Östrogen und Progesteron gesteuert wird.

Die Menopause kommt unaufhaltsam

Der Menstruationszyklus vollzieht sich von der ersten Blutung in der Pubertät (Menarche) bis zur letzten Blutung (Menopause) über 400mal. Erste Anzeichen der Wechseljahre sind unregelmäßige Monatszyklen im vierten Lebensjahrzehnt. Das können allerdings nur Frauen feststellen, die keine Antibabypille nehmen, da die „Pille“ den Zyklus reguliert. Mit der letzten spontanen Blutung aus der Gebärmutter, durchschnittlich im 52. Lebensjahr, endet dann die körperlich fruchtbare Zeit im Leben einer Frau. Als Postmenopause bezeichnet man die Zeit ein Jahr nach der Menopause, in welcher der weibliche Körper praktisch keine Östrogene und Progesterone herstellt.

Die Hormone schwinden

Parallel zum Hormondefizit beginnen die Wechseljahresbeschwerden. Mit dem Nachlassen der Hormonproduktion lassen sich im Laufe der Zeit verschiedenste Symptome identifizieren. Vegetative und organische Störungen werden spürbar, manche deutlich sichtbar, wie HaarausfallHaarausfall kann allerdings auch andere Ursachen haben.

Weniger Hormone in drei Phasen

1. Progesteronmangel

Das erste Hormon, das vom Eierstock nicht mehr in der gewohnten Menge produziert wird, ist Progesteron, das Gelbkörperhormon. Progesteronmangel initiiert unregelmäßige Menstruationszyklen, Gewichtsprobleme, oftmals auch Stimmungsschwankungen. Alle genannten Beschwerden deuten auf die erste Phase der Wechseljahre hin, die durchaus schon mit 45 einsetzen kann.

2. Östrogenmangel

Die zweite Phase der Wechseljahre wird charakterisiert durch einen massiven Östrogenmangel, der mit der Menopause einsetzt. Jetzt beginnen die Beschwerden wie Hitzewallungen und Schlaflosigkeit, dazu kommen Gelenkschmerzen, trockene Schleimhäute, Muskelschmerzen und ein hoher Cholesterinspiegel, Bluthochdruck und Osteoporose.

Schließlich kann auch massiver Haarausfall auftreten. Diffuser Haarausfall, weil das „Haarwuchsmittel“ Östrogen weniger wird, und erblich bedingter Haarausfall, weil viele Haarfollikel empfindlich auf den relativen Anstieg von Androgenen reagieren.

3. Androgenmangel

Die dritte Phase der Wechseljahre ist geprägt durch einen Mangel an männlichen Sexualhormonen. Es ist vielleicht überraschend, aber Testosteron und andere Androgene werden auch im weiblichen Körper produziert. Letztlich werden mit der Synthese von Androgenen auch Östrogene gewonnen. Das Fehlen männlicher Sexualhormone verlangsamt den Stoffwechsel. Die Folgen sind u. a. Müdigkeit, auch Libidoverlust.

Überraschende Erkenntnisse

Viele Evolutionsbiologen sehen im absinkenden Östrogenspiegel übrigens gar keinen Mangel, sondern ein Mittel zum Zweck. Denn ab dem 5. Lebensjahrzehnt ist es für Frauen biologisch nicht mehr sinnvoll, Kinder zu kriegen. Erstens steigt das Risiko von Komplikationen während einer Schwangerschaft und bei der Entbindung. Und zweitens, sagen die Evolutionsbiologen, können sich die Frauen ohne eigenen Nachwuchs nach der Menopause besser um die Enkelkinder kümmern und so ein wertvollen Beitrag zur Erhaltung der Familie, der Sippe, nicht zuletzt der Gattung Mensch leisten.

Lohn der Wechseljahresbeschwerden

Und die Frauen? Wenn die dafür zuständigen Gene die Wechseljahre einleiten, ist dieser Prozess nicht umzukehren. Eine Frage steht im Raum: Was kriegen die Frauen im Gegenzug von der Evolution? Nun, der Vorteil der Frauen besteht in einem längeren Leben. Wer sich die Mühe macht und nach der Lebenserwartung von Frauen im Vergleich zu denen der Männer schaut, erkennt, dass Frauen durchschnittlich 5 Jahre länger leben. Offenbar wirkt sich dabei wohl auch ein gesünderer Lebensstil aus.

Noch eine gute Botschaft

Alle genannten Symptome infolge eines Hormondefizits können, müssen aber nicht auftreten. Etwa ein Drittel aller betroffenen Frauen hat keinerlei Probleme dadurch, dass die Hormone weniger werden. Ein Drittel der Frauen bemerkt leichte Wechseljahresbeschwerden. Nur ein Drittel hat starke Beschwerden und fühlt sich durch die Wechseljahre extrem in der Lebensqualität beeinträchtigt.

Im Laufe der Jahre nach der Menopause gewöhnt sich der weibliche Körper aber daran, mit immer weniger Hormonen auszukommen, selbst wenn der Hormonspiegel weiter gegen Null absinkt. Einen wesentlichen Beitrag für diese Entwicklung leistet der weibliche Organismus. Die Östrogenrezeptoren der Zellen werden abgebaut.

Auch der Zellstoffwechsel in den Haarfollikeln, die für das Haarwachstum sorgen, arrangiert sich nach und nach mit dem Östrogenmangel. Bis dahin empfehlen wir betroffenen Frauen, gegen Haarausfall den Wirkstoff Thiocyanat zu nutzen.

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