Natürliche Therapie bei Alopezie

Fakten, Informationen, Hintergründe zum Wirkstoff Thiocyanat

Natürliche Therapie bei Alopezie

Strukturformel des Ur-Moleküls Thiocyanat

EXPERTENINTERVIEW mit Prof. Dr. med. Axel Kramer,
Institut für Hygiene und Umweltmedizin, Universität Greifswald

Herr Prof. Kramer, wie und wann wurde der Wirkstoff Thiocyanat entdeckt?

Prof. Kramer: „Thiocyanat wurde erstmals 1826 im Speichel nachgewiesen. Vor 40 Jahren habe ich begonnen, mich vertieft mit dem Molekül zu beschäftigen. Dabei ging es zunächst um die Fragestellung, ob es die Nebenwirkungen eines zur Behandlung von Carcinomen eingesetzten Zytostatikums verbessern könnte. Das haben wir an Mäusen untersucht. Es zeigte sich, dass diejenigen Tiere, die Thiocyanat bekommen haben, weniger toxische Nebenwirkungen aufwiesen. Als überraschender Nebenbefund stellte sich heraus, dass diese Tiere trotz des Zytostatikums keinen bzw. nur geringen Haarausfall aufwiesen, während die Kontrollgruppe ohne Thiocyanat-Einnahme zunächst ein struppiges Fell mit anschließendem Haarausfall entwickelte. Das führte zu der Erkenntnis, dass Thiocyanat den Haarwuchs fördern kann, selbst bei toxischer Schädigung des Organismus. Das Molekül Thiocyanat wurde danach immer wieder auf verschiedene Fragestellungen hin untersucht.“

Welches Potenzial sehen Sie im Thiocyanat?

Prof. Kramer: „Wir Menschen und das Leben um uns herum haben uns in der Evolution in einer Umwelt entwickelt, in der Thiocyanat bereits vorhanden war, weil es abiotisch aus Schwefelkohlenstoff und Ammoniak unter Druck und erhöhter Temperatur (110 °C) entstanden ist. Thiocyanat wird mit der Nahrung aufgenommen, aber auch im Stoffwechsel von Mensch, Tier und Pflanze selbst gebildet. Auf Grund seiner vitaminähnlichen Wirkungen kann man Thiocyanat als Vitaminoid einordnen, weil es im Unterschied zu Vitaminen zu einem gewissen Anteil der benötigten Menge auch selbst im Organismus gebildet werden kann. Immerhin stehen dafür drei Enzyme zur Verfügung. Das Molekül fördert die Zelltätigkeit, egal um welche Zelle es sich handelt. Selbst bei der Pflanze werden die vegetative Entwicklung, der Ertrag und die Resistenz gegen Mikroorganismen gefördert und eine Schutzwirkung bei toxischer Belastung erreicht. Lokal angewendet beruhigt es gereizte Haut (z.B. auch bei Neurodermitis) und fördert die Wundheilung, bei systemischer Anwendung wirkt es z.B. immunstimulierend. Es dient als Stabilisator der Zellmembran und normalisiert damit vorhandene Ungleichgewichte im Zellhaushalt. Es wurde zum Beispiel beobachtet, dass bei Männern mit Störungen der Spermienbildung der Thiocyanatgehalt im Ejakulat reduziert war. Beim Meerschweinchen konnte durch Thiocyanatzufuhr mit der Nahrung die Spermiogenese stimuliert werden. Bei Stress und bei Immunisierung kommt es zu einem Anstieg des Thiocyanatspiegels im Blut.

Welche Nebenwirkungen hat Thiocyanat?

Prof. Kramer: „Es handelt sich um einen natürlichen Baustein des Körpers, der chemisch nicht reaktiv ist. Im physiologischen Dosisbereich gibt es keine relevanten Nebenwirkungen.“

Welche Wirkweise hat Thiocyanat im Körper?

Prof. Kramer: „Das ist nicht so leicht zu erklären, denn es gibt keine einheitliche Wirkweise von Thiocyanat. Vielmehr ist die Wirkung als Summe verschiedener Teileffekte aufzufassen. So führt das Molekül zu einer unspezifischen Stimulation der Immunantwort. Es aktiviert Ei-weiße bzw. Enzyme, beeinflusst Stoffwechsel- und Transportvorgänge in Zellen, stabilisiert die Zellmembran und wirkt damit wie ein Schutzschild, den die Zellen aufbauen. Radikale, die z.B. bei Entzündungen und Stress entstehen, werden gehemmt. Im Gegensatz zu einem Arzneimittel, welches auf Grund seines spezifischen Wirkungsmechanismus immer nur in eine Richtung wirkt bzw. wirken soll, dient Thiocyanat der Normalisierung einer Hyper- oder Hypofunktion im Rahmen der natürlichen Regelbreite. Es kann also aktivieren oder aber auch dämmen, je nachdem in welcher Richtung das Ungleichgewicht vorliegt.“

Wirkt das Serum mit Thiocyanat bei allen Formen des Haarausfalls *?

Prof. Kramer: „Wir gehen davon aus. Es gibt keinen Anhaltspunkt dafür, dass Thiocyanat nicht bei allen Formen des Haarausfalls wirken sollte. Die Fragestellung des Haarausfalls stand bei den bisherigen Forschungen nicht im Fokus, sondern die positive Wirkung wurde beiläufig entdeckt. Es zeigte sich, dass Thiocyanat Geheimratsecken aufhalten kann und den Haarnachwuchs fördert. Bei einer seit langem bestehenden klassischen Glatze kann Thiocyanat vermutlich kein neues Haarwachstum anregen, da die Haarwurzeln bereits abgestorben sind. Am besten wird Thiocyanat präventiv gegen Haarausfall eingesetzt. Ich selber tue das seit Jahrzehnten mit bestem Erfolg.“

Wie lange muss das Thiocyanat-Serum angewendet werden?

Prof. Kramer: „Zunächst einmal sollte es so früh wie möglich eingesetzt werden, am besten präventiv. Bei manchen Anwendern fallen zu Beginn verstärkt Haare aus, da die minderwertigen (telogenen) Haare erst abgestoßen werden – man nennt dies den Shedding-Effekt. Bereits nach ca. 4 Wochen haben die Anwender das Gefühl, dass ihre Haarstruktur kräftiger wird. Nach 4-5 Monaten kommt es dann zu einer Normalisierung des Ungleichgewichts. Und dann wächst das Haar vermehrt nach.“

Welchen Vorteil hat Thiocyanat gegenüber gängigen Haarwuchsmitteln?

Prof. Kramer: „Thiocyanat hat einen physiologischen Wirkmechanismus. Es ist ein natürliches Molekül, das auf natürlichem Wege stimuliert und den Haarwuchs fördert. Andere Haarwuchsmittel greifen häufig in den Stoffwechsel ein und haben deswegen Nebenwirkungen, weil sie beispielsweise hormonell wirken. Das ist bei dem Haarserum mit Thiocyanat nicht der Fall.“

Welche Unterschiede gibt es bei Männern und Frauen?

Prof. Kramer: „Thiocyanat normalisiert den Stoffwechsel unspezifisch, deshalb wirkt es gleich. Bei den Präparaten, die Hormone einsetzen, ist das anders.“

Was sind die Ursachen für einen Mangel an Thiocyanat auf dem Kopf?

Prof. Kramer: „Zunächst zu häufige Haarwäschen: Thiocyanat ist wasserlöslich und wird aus der Haut und insbesondere den Haaren ausgewaschen. Je öfter man sich die Haare wäscht, desto mehr Thiocyanat geht verloren. Das bedingt einen Verlust, der durch unsere moderne Ernährung nicht ausgeglichen werden kann, da sie dafür nicht ausreichend lakto-vegetarisch ist. Ein weiterer Grund, insbesondere bei erblicher Veranlagung zum Haarausfall, kann unzureichende Aktivität der Thiocyanat bildenden Enzyme sein. Auch beim Rauchen wird beispielsweise eines der Enzyme gehemmt und behindert so die Bildung von Thiocyanat. Menschen, die unterernährt sind, haben ebenfalls einen ausgewiesenen Thiocyanatmangel. Andersherum verhält es sich bei Allergikern: Sie haben in der Regel eine erhöhte Thiocyanatkonzentration im Blut. Auch bei Stress erhöht sich der Thiocyanatspiegel, es kommt danach aber wieder zum massiven Abfall. Das bedingt dann einen indirekten Mangel.“

Ist Thiocyanat nun ganz entschlüsselt?

Prof. Kramer: „Es gibt durchaus noch viele interessante Geschichten über Thiocyanat zu berichten. Nach dem Zweiten Weltkrieg haben die Menschen in der Slowakei zum Beispiel sehr viel Kohl gegessen. Dieser enthält ohnehin viel Thiocyanat, die damals dort verbreitete Art noch mehr. Die Menschen erkrankten nachweislich weniger an Krebs. Man vermutet, dass das Thiocyanat die gesunden Zellen stabilisiert hat. Außerdem wurde bei Kühen in industriemäßiger Stallhaltung Thiocyanat über die Tränke verabreicht und zugleich auf die Gabe von Antibiotika verzichtet. Die so ernährten Kühe schnitten im Vergleich zu den Kontrollen im Nachbarstall mit der üblichen Anwendung von Antibiotika in Hinblick auf Infektionen nicht etwa schlechter ab, vielmehr war die Gewichtszunahme besser, was die gesundheitliche Bedeutung dieses Vitaminoids unterstreicht.“

Herr Prof. Kramer, vielen Dank fürs Gespräch.

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