Haarzyklus

Das Haarwachstum besteht aus drei Phasen, die in zyklischen Wiederholungen ablaufen: Die längste Phase, die Wachstumsphase (Anagen), wird durch den programmierten Zelltod (Apoptose) beendet. In der Übergangsphase (Kategen) bildet sich der Haarfollikel, das haarbildende Organ, zurück. Nach der Ruhephase (Telogen) entwickelt sich ein drei- bis viermal so großer Anagenhaarfollikel, der tief in die Dermis (Lederhaut) einwächst. Der Haarfollikel stellt im menschlichen Organismus das einzige Gewebe dar, das einen zyklischen Prozess durchläuft, die sonst charakteristisch sind für die Embryogenese (im Anagen) und Seneszenz (im Katagen).

Anagen

In der Anagen- oder Wachstumsphase kommt es zum Aufbau eines hochaktiven Organs, gewissermaßen einer Haarschafsfabrik, die aus Haarmatrix (Haarbildungszone), äußerer und innerer Haarwurzelscheide besteht. Infolge der Fähigkeit zur beständigen Zellteilung (Keratinozytenproliferation) in der Haarmatrix und schnellen Differenzierung in der präkortikalen Matrix setzt die Haarbildung ein. Gleichzeitig erfolgt die Pigmentierung der Haare durch die follikuläre Melanogenese. Das Anagen dauert zwei bis acht Jahre. Normalerweise befinden sich 80 bis 90 Prozent des Kapillitiums bzw. der Kopfhaare im Anagen.

Katagen

Die Katagen- oder Regressionsphase zeichnet sich durch eine höchst kontrollierte, rapide ablaufende Zurückbildung des Haarfollikels aus. Das Kategen wird bestimmt durch die Eliminierung der zentralen und proximalen Haarwurzelscheide und der Haarmatrix. Der Anagen-Katagen-Transformation des Haarfollikels liegt vermutlich eine Abschaltung von Wachstumsignalen in der Haarpapille zugrunde. Die Kategenphase dauert durchschnittlich zwei bis drei Wochen. Ein Prozent der Haare befinden sich im Katagen.

Telogen

Nachdem sich am Ende des Kategens die Haarmatrix zurückgebildet hat, die Pigmentierung (Melanogenese) zum Stillstand gekommen, der Haarfollikel auf etwas ein Drittel seiner Größe geschrumpft ist und sich die Haarpapille bis auf vereinzelte Zellen fast vollständig aufgelöst hat, schließen sich die Zellen der äußern Haarwurzelscheide um den von den Matrixzellen geformten, inzwischen vollständig keratinisierten Kolben am unteren Pol des Haares bzw. des Haarschafts. Das einzelne Haar wird durch leichte mechanische Einflüsse aus der Kopfhaut herausgelöst, bzw. durch das nachwachsende Haar aus dem Follikel herausgeschoben.

Haarwachstum

In jedem Haarfollikel wechseln sich Wachstumsphase (Anagen), Regressionsphase (Katagen) und die Ruhephase (Telogen) in rhythmischer Folge ab. Jeder Haarfollikel folgt einem eigenen Zyklus, der beim Menschen gegenüber den benachbarten Haarfollikel zeitlich versetzt ist. Bei gesundem Haarwachstum und vollständigem Durchlaufen eines Haarzyklus bleibt der Haarbestand prinzipiell gleich dicht.

vgl: Trüeb, Ralph M.: Haare – Praxis der Trichologie, Darmstadt 2003

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