Haarfollikel

Unsere Haare entstehen aus Einstülpungen der Oberhaut (Epidermis). Diese Einstülpungen werden als Haarfollikel („Follikel“ von lat. folliculus ‚Ledersack‘, ‚Hülle‘, ‚Hülse‘) oder als Haarbalg bezeichnet. Mit Ausnahme der Handinnenflächen und der Fußsohlen befinden sich Haarfollikel und ihnen zugeordnete Talgdrüsen am gesamten Körper.

Die Talgdrüsen liegen direkt unterhalb des Follikeltrichters (Infundibulum) und münden mit ihren Ausführungsgängen im Haarkanal, aus dem die Haare sprießen. Das Sebum der Talgdrüsen macht die Haare geschmeidig und wasserabstoßend. Fettige Haare entstehen bei einer Überproduktion von Sebum oder nachlässiger Haarreinigung.

Die Gesamtzahl der menschlichen Haarfollikel beträgt etwa 5 Millionen. 500.000 Follikel produzieren Haare bzw. Terminalhaare. Die übrigen 4,5 Millionen Haarfollikel Wollhaare bzw. Flaumhärchen. Ihre Anzahl liegt auf dem Kopf bei durchschnittlich 100.000. Bei einer Haartransplantation werden nicht Haare, sondern genau genommen Haarfollikel verpflanzt.

Im tieferen Hautbindegewebe berühren die von der Oberhaut stammenden Haarfollikel dermale Strukturen, d.h. dort findet das Wachstum der Haare als Haaranhangsgebilde statt. In der Haarmatrix wird durch metabolisch hochaktive Haarmatrixzellen das Haar bzw. der Haarschaft in drei Schichten aufgebaut: Mark, Rinde und Cuticula. Ein Haar auf dem Kopf eines erwachsenen Menschen wächst ca. 0,3 mm am Tag, also ca. 1 cm pro Monat.

Um das Follikel herum liegt ein Netzwerk aus feinsten Blutgefäßen (Kapillaren), um die Haarwurzel mit Nährstoffen zur Bildung von Haarsubstanz zu versorgen. Die Haarwurzel umfasst die drei inneren Abschnitte eines Haarfollikels: den Haartrichter (Infundibulum), den Isthmus und den proximalen Follikelbereich mit der Haarpapille; sie verbindet Haarwurzel mit dem Blutkreislauf.

Nach der Zellteilung im unteren Bereich des Haarfollikels steigen die Matrixzellen auf und formen sich von außen nach innen zu den Zellen der inneren Haarwurzelscheide und des Haarschafts um. Die innere Haarwurzelscheide verhornt deutlich früher als die Zellen der künftigen Haare und ist mit der Cuticula, der Außenhülle, des Haares eng verbunden. Die Integrität der inneren Haarwurzelscheide bestimmt die Form der Haare (glatt, lockig, kraus) und ist für ihre Verankerung im Haarfollikel verantwortlich.

In der Mitte zwischen Infundibulum und Haarzwiebel setzt bei jedem Haarfollikel an der äußeren Haarwurzelscheide ein glatter Muskel an, dessen unwillkürliche Kontraktion infolge bestimmter physikalischer oder psychischer Auslöser – wie Kälte, Furcht, Erregung – ein Aufstellen der Haare und Härchen („Gänsehaut“) bewirkt.

Eine der wichtigsten Ursachen für die Entstehung einer androgentischen Alopezie bzw. eines erblich bedingten Haarausfalls ist die genetisch bedingte Fehlprogrammierung der Haarfollikel. Fehlprogrammierte Follikel reagieren sehr empfindlich auf das Wachstumshormon Dihydrotestosteron, DHT. Haarfollikel und Haare miniaturisieren. Haarausfall und dünner werdendes Haar sind die Folge: bei Männern zunächst über den Schläfen (Geheimratsecken) und am Hinterkopf (Tonsur), bei Frauen im Scheitelbereich.

Mit zunehmendem Alter (50+) verlieren die Haarfollikel als Haarorgane langsam an Kraft und haben größere Mühe, sich zu regenerieren: Sie altern. Ihre Ruhephase innerhalb des Haarzyklus dehnt sich aus. Oftmals wird die Haarproduktion ganz eingestellt. Die Haardichte lässt nach.

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