Haarausfall erkennen und behandeln

Haarausfall erkennen, das bedeutet zunächst zwischen natürlichen und übermäßigen Haarausfall zu unterscheiden. Ein minimaler Haarausfall, genauer gesagt der tägliche Haarwechsel, ist ganz natürlich und notwendig, damit neue, intakte Haare nachwachsen können. Wenn wir jeden Tag zwischen 50 bis 100 Haare verlieren, läuft dieser Haarausfall fast unbemerkt ab. Sind es – über einen Zeitraum von vielen Wochen oder Monaten – aber mehr als 100 Haare täglich, sprechen Dermatologen von einem übermäßigem, nicht physiologischen Haarausfall.

Haarausfall erkennen

Haarbüschel in der Bürste und dünner werdendes Haar erzeugen sowohl bei Frauen als auch bei Männern die Sorge vor dauerhaftem Haarverlust.

Haarausfall hat zwei Komponenten

Übermäßiger Haarausfall hat zwei Komponenten: eine qualitative: wenn die Wachstumsphase der Haare frühzeitig beendet beendet. Und eine quantitative, wenn mehr als 100 Haare täglich ausfallen. Je nach Ursachen und Auslöser gibt es verschiedene Arten von Haarausfall.

Diagnostik von Haarausfall

Bei der klinischen Untersuchung kann der Arzt bzw. Dermatologe oft schon durch einfache Inspektion (Betrachtung) des Haarkleides erkennen, welche Art von Haarausfall vorliegt. Das Haarausfallmuster Geheimratsecken und Tonsur verweist auf eine androgenetische Alopezie. Scharf begrenzte, kreisförmige Haarausfallzonen auf Alopecia areata. Gleichmäßig über den Kopf verteilte Haarlichtungen werden diffuser Haarausfall genannt.

Diffuser Haarausfall

Haarausfall, der diffus in Erscheinung tritt, ist das Ergebnis eines den Zellstoffwechsel der Haarfollikel störenden Ereignisses, wie z. B. eines Mangels an Eisen (Ferretin) oder medikamentöser Nebenwirkungen, z. B. von Zytostatika im Rahmen einer Chemotherapie, oder von Entzündungsreaktionen als Folge von Stress. Diffuser Haarausfall ist sehr oft reversibel, wenn die Ursachen entfallen bzw. therapiert werden:

– Eisenmangel betrifft mehr Frauen als Männer und lässt sich meist durch eine ausgewogene Ernährung beheben ggf. durch Eisenpräparate aus der Apotheke.
– Bei einer Chemotherapie werden die Haarwurzeln prinzipiell nicht geschädigt. Die Haare wachsen daher kräftig nach, wenn die Wirkung der Medikamente nachlässt.
– Vergleichbares gilt für Stress. Je weniger körperliche oder mentale Stress-Situationen, desto weniger werden Haarfollikel bei der Haar-Produktion gestört.

Der Haarzyklus

Jeder Haarfollikel als haarbildende Einheit verfügt über eine biologische Uhr, den Haarzyklus. Ein Haarzyklus hat drei Phasen: 1. Wachstumsphase (Anagen), 2. Übergangsphase (Katagen) und 3. Ruhephase (Telogen). Die Wachstumsphase eines Haares dauert durchschnittlich zwei bis sechs Jahre, bei Frauen auch länger. Von der Dauer des Anagens ist die maximale Haarlänge abhängig. Ein Haar wächst durchschnittlich 1 cm im Monat, also um die 12 cm im Jahr, bei Kindern und Jugendlichen sogar 15 cm.

In der ein- bis zweiwöchigen Katagenphase wird die Haarproduktion eingestellt, und die Haare verhornen an der Haarwurzel (Kolbenhaare). Danach treten die Haarfollikel in die Ruhephase, um sich zu regenerieren. Setzt der Zellstoffwechsel nach drei bis vier Monaten wieder ein, werden die Kolbenhaare durch neue, nachwachsende Haare abgestoßen, vor allem infolge mechanischer Reize wie Haarewaschen oder Bürsten von der Kopfhaut gelöst. Der Haarausfall, eigentlich das Ende des Haarzyklus, wird sichtbar.

Haarausfall Diagenose beim Dermatologen

Beginn eines neuen Haarzyklus: Die Zahl nachwachsender Haare lässt sich sehr präzise mit dem TrichoScan messen.


Chronisch telogenes Effluvium

Frauen um die 40 berichten des Öfteren von plötzlich dünner werdendem Haar. Werden in der dermatologischen Anamnese keine das Haarwachstum störenden Ereignisse erkannt, kommt fast nur ein chronisch telogenes Effluvium (Effluvium = Haarausfall bzw. Haarwechsel) in Betracht. Die Ursachen dieses Haarausfalls liegen in einer Verkürzung der Wachstumsphase innerhalb des Haarzyklus. Statt durchschnittlich 4 bis 6 Jahre wachsen die Haare – infolge einer genetischen Disposition – nur 2 bis 3 Jahre, bis die Haarfollikel in die Ruhephase (= Telogen) wechseln und die Haare ausfallen.

Alopecia areata

Alopecia areata betrifft sowohl Frauen als auch Männer, nicht selten auch Kinder, und manifestiert sich durch völlig haarlose, kreisrunde Areale im Haarkleid. Bei stärkerer Ausprägung kann es zu einer Verschmelzung der haarlosen Areale und einer teilweisen bzw. vollständigen Kahlheit kommen. Da keine Vernarbung der Haarfollikel eintritt, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass die Haare nachwachen.

Bei erstmaligem Auftreten der Alopecia areata erlebt ein Drittel der Betroffenen neues Haarwachstum innerhalb von 6 Monaten. Jede/r zweite Betroffene hat nach einem Jahr wieder volles Haar. Ein Wiederauftreten ist jedoch nicht ausgeschlossen: Kreisrunder Haarausfall kann immer wieder in Erscheinung treten.

Mit großer Wahrscheinlichkeit ist Alopecia areata eine zellulär vermittelte Autoimmunerkrankung. Schwere Verlaufsformen sind häufig an ein Atopie-Syndrom wie Neurodermitis, Heuschnupfen oder ein allergisches Asthma gekoppelt.

Androgenetische Alopezie

Bei jedem zweiten Mann besteht eine starke genetische Prädisposition zu einer androgenetischen Alopezie bzw. zu erblich bedingtem Haarausfall. Die Ursache für eine androgenetische Alopezie ist eine gesteigerte Empfindlichkeit bestimmter Haarfollikel gegenüber einem Abkömmling des männlichen Sexualhormons Testosteron, Dihydrotestosteron (DHT).

Androgenetische Alopezie durchläuft zwei große Haarausfallschübe. Mit dem ersten Schub um die 20 beginnt bei jungen Männern die Ausdünnung der Haare oberhalb der Schläfen und am Hinterkopf, sehr oft die Bildung von Geheimratsecken und Tonsur. Der zweite androgenetische Schub um das 40. Lebensjahr, oftmals schon früher, ergreift die Haare auf dem Oberkopf. Zwar wachsen die Haare nach, aber der überdrehte Haarzyklus verhindert, dass aus den Flaumhärchen kräftige Terminalhaare werden. Die anderen Haare – an den Seiten des Kopfes – wachsen unbeeinflusst von der DHT-Wirkung weiter.

Sterben die Haarfollikel ab, entstehen haarlose Areale. Der Haarverlust ist nicht mehr reversibel. Je nach individueller genetischer Veranlagung dauert dieser Prozess wenige Jahre oder mehrere Jahrzehnte.


Bei Männern und bei Frauen weist der unbehandelte erblich bedingte Haarausfall die gleichen charakteristischen Störungen des Haarzyklus in vier Schritten auf:

1. Progressive Verkürzung der Wachstumsphase (Anagen);
2. Eine Verlängerung der Ruhephase zwischen Telogen- und Neubeginn der Anagenphase;
3. Miniaturisierung der Haarfollikel und Bildung von feinen, dünnen Haaren (Vellushaaren) anstelle kräftiger, pigmentierter Terminalhaare;
4. Absterben der Haarfollikel und irreversibler Haarverlust.

 


Hormonell erblich bedingter Haarausfall

Wie bei Männern ist auch bei Frauen die Ausbildung der androgenetischen Alopezie von genetischen Faktoren und Androgenen abhängig. Auslöser sind Störungen des Hormonhaushalts, zunächst durch eine Unterversorgung des Zellstoffwechsels an den Haarwurzeln mit dem Wachstumshormon Östrogen. Im Vorfeld der Wechseljahre kann sich ein diffuser Haarausfall über dem gesamten Kopf zeigen.

Mit dem relativen Anstieg von Androgenen während der Wechseljahre (Hyperandrogenämie) wird diffuser Haarausfall von erblich bedingtem Haarausfall abgelöst. Im Unterschied zu Männern sind bei Frauen nur die Haarfollikel auf dem Oberkopf betroffen. Und Frauen müssen keine Kahlheit wie Männer befürchten. Das weibliche Haarausfallmuster ist dünner werdendes Haar im Scheitelbereich, selten bilden sich Geheimratsecken aus.

Der Hamburger Dermatologe Dr. Erich Ludwig beschrieb erstmals 1977 für Frauen die Ausdünnung der Haare im Scheitelbereich und teilte sie in drei Schweregrade ein. Durch den Einfluss der Androgene im Zellstoffwechsel der Haare erfolgt deren Miniaturisierung auch bei Frauen. Die Haardichte lässt nach. Zur Stirn hin und an den Seiten des Kopfs wachsen die Haare jedoch kräftig weiter.

Bei etwa 10 Prozent der Frauen beginnt die Ausdünnung der Haare im Scheitelbereich durchaus schon mit Mitte 20. Die Haarlichtung kann sehr diskret sein und mit diffusem Haarausfall verwechselt werden. Bei jungen Frauen muss der behandelnde Arzt dem Verdacht auf das Vorliegen eines Androgen produzierenden Tumors der Eierstöcke oder der Nebennieren nachgehen.


Haarausfall erkennen und behandeln

Bei übermäßigem Haarausfall ist es sehr ratsam, ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen. Die Behandlung von krankheitsbedingtem Haarausfall obliegt dem Dermatologen. Das betrifft z. B. Alopecia areata, ganz generell vernarbende Alopezien. Ihre Behandlung ist äußerst schwierig und langwierig. Hauptziel ist es, das Voranschreiten von Haarverlust zu stoppen.

Die Behandlung einer diffusen Alopezie liegt in der Beseitigung zugrundeliegender Ursachen. Beginnt ein neuer Haarzyklus sollten Haarwurzeln gestärkt und vor wachstumsstörenden Einflüssen geschützt werden. Vergleichbares gilt für androgenetisch geschwächtes Haar in einem überdrehten Haarzyklus bei erblich bedingtem Haarausfall.


War dieser Artikel hilfreich für Sie?
Bewertungen: 2 Durchschnitt: 5

WEITERE BEITRÄGE