Haarausfall erkennen und behandeln

Haarausfall erkennen, das heißt zunächst zwischen natürlichen und übermäßigen Haarausfall zu unterscheiden. Ein minimaler Haarausfall, genauer gesagt der tägliche Haarwechsel, ist ganz natürlich und notwendig. Nur dann können neue, intakte Haare nachwachsen. Wenn wir jeden Tag zwischen 50 bis 100 Haare verlieren, läuft dieser Haarausfall fast unbemerkt ab. Sind es aber mehr als 100 Haare täglich, sprechen Dermatologen von einem übermäßigen, nicht physiologischen Haarausfall.

Haarausfall erkennen

Haarbüschel in der Bürste erzeugen sowohl bei Frauen als auch bei Männern die Sorge vor dauerhaftem Haarverlust.

Drei Arten von Haarausfall

Bei der klinischen Untersuchung kann der Arzt bzw. Dermatologe oft mit Blick auf das Haarkleid erkennen, welche Art von Haarausfall vorliegt: 1. Geheimratsecken bei Männern und die Ausdünnung des Haares im Scheitelbereich bei Frauen verweisen auf erblich bedingten Haarausfall bzw. androgenetische Alopezie. 2. Scharf begrenzte, kreisförmige Haarausfallzonen sind untrügliche Hinweise auf Alopecia areata. 3. Gleichmäßig über den Kopf verteilte Haarlichtungen entstehen durch diffusen Haarausfall.

Diffuser Haarausfall

Für Haarausfall, der diffus in Erscheinung tritt, kommen verschiedene Ursachen in Betracht, z.B. Eisenmangel, aber auch Medikamente bzw. ihre Nebenwirkungen oder Entzündungsreaktionen als Folge von Stress, nicht zu vergessen auch Hormonungleichgewichte.

Diffuser Haarausfall ist reversibel, wenn die Ursachen entfallen bzw. therapiert werden:

  • Eisenmangel lässt sich meist durch eine ausgewogene Ernährung beheben ggf. durch Eisenpräparate aus der Apotheke.
  • Bei einer Chemotherapie werden die Haarwurzeln prinzipiell nicht geschädigt. Die Haare wachsen daher kräftig nach, wenn die Wirkung der Medikamente nachlässt.
  • Vergleichbares gilt für Stress. Je weniger körperliche oder mentale Stress-Situationen, desto weniger werden Haarfollikel bei der Haar-Produktion gestört.
  • Nach einer Schwangerschaft fallen übermäßig viele Haare aus, weil der erhöhte Östrogenspiegel wieder auf Normalniveau sinkt. Die nachwachsenden Haare kommen nach der Ruhephase der Haarfollikel aber wieder mit weniger Östrogen zurecht.

Haarausfall Diagenose beim Dermatologen

Die Zahl nachwachsender Haare lässt sich sehr präzise mit dem TrichoScan messen.

Der Haarzyklus

Jeder Haarfollikel als haarbildende Einheit verfügt über eine biologische Uhr, und zwar den Haarzyklus. Ein Haarzyklus hat drei Phasen: 1. Wachstumsphase (Anagen), 2. Übergangsphase (Katagen) und 3. Ruhephase (Telogen). Die Wachstumsphase eines Haares dauert durchschnittlich zwei bis sechs Jahre, bei Frauen auch länger. Von der Dauer des Anagens ist die maximale Haarlänge abhängig. Ein Haar wächst durchschnittlich 1 cm im Monat, also um die 12 cm im Jahr, bei Kindern und Jugendlichen sogar 15 cm.

In der ein- bis zweiwöchigen Katagenphase wird die Haarproduktion eingestellt. Das hat zur Folge, dass die Haare auch an den Haarwurzeln verhornen. Parallel dazu treten die Haarfollikel in die Ruhephase, um sich zu regenerieren. Beginnt nach drei bis vier Monaten ein neuer Haarzyklus, werden die vollständig verhornten Haare durch neue, nachwachsende Haare verdrängt. Mechanische Reize wie Haarewaschen oder Bürsten lösen die alten Haare von der Kopfhaut. Der Haarausfall wird sichtbar.


Kreisrunder Haarausfall

Kreisrunder Haarausfall oder Alopecia areata betrifft sowohl Frauen als auch Männer, nicht selten auch Kinder, und manifestiert sich durch völlig haarlose, kreisrunde Areale im Haarkleid. Bei stärkerer Ausprägung kann es zu einer Verschmelzung der haarlosen Areale und einer teilweisen bzw. vollständigen Kahlheit kommen. Da keine Vernarbung der Haarfollikel eintritt, ist die Wahrscheinlichkeit glücklicherweise och, dass die Haare nachwachen.

Bei erstmaligem Auftreten erlebt ein Drittel der Betroffenen neues Haarwachstum innerhalb von 6 Monaten. Jede/r zweite Betroffene hat nach einem Jahr wieder volles Haar. Ein Wiederauftreten ist jedoch nicht ausgeschlossen. Kreisrunder Haarausfall kann immer wieder in Erscheinung treten.

Die Ursache für kreisrunden Haarausfall sind noch nicht vollständig geklärte. Fest steht, dass es sich um eine zellulär vermittelte Autoimmunerkrankung handelt. Schwere Verlaufsformen sind häufig an ein Atopie-Syndrom wie Neurodermitis, Heuschnupfen oder ein allergisches Asthma gekoppelt.


Erblich bedingter Haarausfall

Bei fast jedem zweiten Mann besteht eine starke genetische Prädisposition zu einem erblich bedingten Haarausfall infolge genetischer Veranlagung. Die Ursache ist eine gesteigerte Empfindlichkeit bestimmter Haarfollikel gegenüber einem Abkömmling des männlichen Sexualhormons Testosteron, Dihydrotestosteron (DHT).

Der Haarausfall durchläuft zwei große Haarausfallschübe. Mit dem ersten Schub um die 20 beginnt bei jungen Männern die Ausdünnung der Haare oberhalb der Schläfen und am Hinterkopf. Früher oder später bilden sich Geheimratsecken und Tonsur aus. Der zweite androgenetische Schub um das 40. Lebensjahr ergreift die Haare auf dem Oberkopf. Zwar wachsen die Haare nach, aber der überdrehte Haarzyklus verhindert, dass sich aus den Flaumhärchen kräftige Terminalhaare entwickeln. Die Haare an den Seiten des Kopfes wachsen unbeeinflusst von der DHT-Wirkung weiter.

Mit dem relativen Anstieg von Androgenen mit Beginn der Wechseljahre infolge eines natürlichen Östrogendefizits sind ebenfalls ein Viertel der Frauen mit Haarausfall von erblich bedingtem Haarausfall betroffen. Im Unterschied zu Männern miniaturisieren bei Frauen nur die Haarfollikel auf dem Oberkopf. Das weibliche Haarausfallmuster ist dünner werdendes Haar im Scheitelbereich. Sehr selten bilden sich Geheimratsecken aus.

Typisch für erblich bedingten Haarausfall: Die Haare miniaturisieren.


Haarausfall erkennen und behandeln

Bei Haarausfall ist es ratsam, ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen. Die Behandlung von krankheitsbedingtem Haarausfall obliegt dem Dermatologen. Das betrifft z. B. den kreisrunden Haarausfall sowie ganz generell vernarbende Alopezien. Ihre Behandlung ist äußerst schwierig und langwierig. Hauptziel ist es, das Voranschreiten von Haarverlust zu stoppen.

Die Behandlung eines diffusen Haarausfalls liegt in der Beseitigung zugrundeliegender Ursachen. Beginnt ein neuer Haarzyklus, ist es empfehlenswert, die Haarwurzeln zu stärken und vor wachstumsstörenden Einflüssen zu schützen. Dasselbe gilt für androgenetisch geschwächtes Haar in einem überdrehten Haarzyklus bei erblich bedingtem Haarausfall.

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Wie lange dauert diffuser Haarausfall nach einem fiebrigen Infekt

Der Haarausfall beginnt zwei bis drei Monate nach einer Grippe oder einer Corona-Infektion und kann sich über mehrere Wochen hinziehen.

Warum kommt es nach großen Operationen zu Haarausfall?

Ursache ist die Vollnarkose. Dabei ist zu vermuten, dass ein Narkotikum, genauso wie andere Medikamente, den Zellstoffwechsel an den Haarwurzeln behindert und das Wachstum der Haare stört. Nach der OP erhalten die Patienten zusätzliche Medikamente, wie z. B. Schmerzmittel, die den Organismus und auch die empfindlichen Haarwurzeln zusätzlich, oft über mehrere Tage und Wochen, belasten.

Was fragt uns der Arzt in der Haar-Sprechstunde?

Der Hautarzt fragt uns nach der Dauer und Stärke des Haarausfalls, nach Symptomen, wie etwa Kopfhautjucken, nach Krankheiten und verwendeten Medikamenten, nicht zuletzt fragt er nach den Lebensumständen, welche das Haarwachstum beeinflussen können, z. B. Stress, aber auch Hantieren mit toxischen Substanzen.

Haarausfall im Verwandtenkreis ist ebenfalls von Interesse. Frauen werden nach Veränderungen des Zyklus befragt. Betroffen sind Frauen, die hormonelle Verhütungsmittel (Pille) verwenden, eine Schwangerschaft hinter sich haben oder sich in den Wechseljahren befinden.

Der Arzt als Haar-Experte nutzt zur Diagnose eines verstärkten Haarausfalls das Dermatoskop, den Zupftest oder einen TrichoScan. Blutuntersuchungen geben Auskunft über einen möglichen Eisenmangel, bestimmte Schilddrüsen- oder Entzündungswerte.

Wie schnell wachsen ausgefallene Haare nach?

Ein Haar wächst durchschnittlich 0,3 mm am Tag, also ca. 1 cm im Monat und 10 bis 15 cm im Jahr. Demnach dauert es ca. 3 Jahre, bis Frauen wieder 30 bis 40 cm lange Haare haben.

Sind Schuppen eine Ursache für Haarausfall?

Schuppen sind nicht der Auslöser für Haarausfall, sondern ein Symptom für die Störung der Kopfhaut. Ist die Hautschutzbarriere nicht mehr intakt, können Entzündungen der Kopfhaut leicht die Haarfollikel erreichen und das Haarwachstum stören.

Was ist die Ursache für Haarausfall nach der Schwangerschaft?

Viele Frauen bestätigen, dass sie während der Schwangerschaft noch nie so schönes, kräftiges und glänzendes Haar hatten. Der Grund: Mit dem Östrogenschub während Schwangerschaft wird auch der Zellstoffwechsel an den Haarwurzeln angeregt. Nach der Geburt des Kindes  wird die verlängerte Wachstumsphase vieler Haare beendet. Und die Haare fallen aus.

Was ist der Unterschied zwischen Haarausfall, Alopezie und Haarverlust?

Übermäßiger Haarausfall (Effluvium) führt zu Haarlosigkeit (Alopezie). Die Haarlosigkeit kann zeitweilig sein oder permanent, reversibel oder irreversibel. Erst wenn keine Haare mehr nachwachsen können, z. B. infolge vernarbter Haarfollikel, sprechen Dermatologen von Haarverlust.

Sind mehr Frauen oder Männer von diffusem Haarausfall betroffen?

In der Tendenz sind es mehr Frauen, weil Frauen im Laufe des Lebens immer wieder mal Schwankungen des Hormonhaushalts erleben. Frauen bemerken übermäßigen Haarausfall meistens eher als Männer, weil sie sehr sensibel auf dünner werdendes Haar reagieren. Für Männer stellen Geheimratsecken und Tonsur ein größeres Problem dar, also der Haarverlust.

Welche Medikamente können als Nebenwirkung Haarausfall haben?

Dermatologen verweisen auf Betablocker (Mittel, um Blutdruck zu senken), Lipidsenker (Mittel zur Reduzierung des Blutfetts), einige Blutgerinnungshemmer (ausgenommen Acetylsalicylsäure bzw. ASS), Antibiotika und Antidepressiva, teilweise auch Mittel gegen Rheuma oder Schmerzen. Sprechen Sie mit Ihrem  Arzt. Oft besteht die Möglichkeit, nicht verträgliche Medikamente gegen Medikamente einer anderen Substanzklasse auszutauschen.

Warum entstehen bei Alopecia areata kahle, kreisunde Stellen?

Alopecia areata ist eine Autoimmunkrankheit. Das Immunsystem greift deshalb auch körpereigenes Gewebe an, vor allem die Haarwurzeln in der Kopfhaut, manchmal auch an anderen behaarten Körperstellen (Augenbrauen, Wimpern, Bart). Warum die von Haarausfall betroffenen Stellen mehr oder weniger kreisrund sind, konnte die Medizin noch nicht befriedengend klären.

Was ist die beste Therapie bei Haarausfall, eine Haartransplantation?

Eine Haartransplantation bei diffusem Haarausfall, z. B. nach einer fiebrigen Infektion, ist sicher nicht das geeignete Mittel, weil der Haarausfall in den allermeisten Fällen reversibel ist und nicht zu einem Haarverlust führt. Die beste Therapie ist hier Geduld – bis ein neuer Haarzyklus beginnt.

Sehr oft richtet sich die Therapie nach den Auslösern des Haarausfalls. Bei einem Eisenmangel hilft den Haaren eine ausgewogene Ernährung, ggf. Eisenpräparate. Andererseits erscheint die Gabe von Hormonen bein einem Östrogen-Defizit in den Wechseljahren problematisch.

Eine sehr elegante Möglichkeit stellt daher die patentierte Thiocyanat-Wirkformel in Thiocyn Haarserum dar, weil sie Störfaktoren für gesundes Haarwachstum kompensiert – ohne dabei in hormonell gesteuerte Stoffwechselprozesse einzugreifen.

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