Alopecia areata: Warum gerade ich?

Der Haarausfall bei der Alopecia areata erfolgt oft sehr plötzlich, im Extremfall über Nacht, und breitet sich dann kreisförmig aus. Neben der Kopfhaut sind auch Augenbrauen und Wimpern oder die Gesichtsbehaarung betroffen. Kein anderer Haarausfall ist so spontan und radikal. Der morgendliche Blick in den Spiegel auf haarlose Flecken ist überraschend und gleichermaßen erschreckend. Die gute Nachricht: Die Haare wachsen mit großer Wahrscheinlichkeit wieder nach.


Männlicher Hinterkopf mit dunklen, raspelkurzen Haaren, man erkennt an drei Stellen den kreisrunden Haarausfall bzw. Alopecia areata

Die Ursachen für Alopcia areata sind weitgehend unerforscht.


In Kürze

  • Alopecia areata oder kreisrunder Haarausfall ist sehr wahrscheinlich eine Autoimmunreaktion und richtet sich gegen die eigenen Haarfollikel.
  • Alopecia areata ist nicht gefährlich, nicht ansteckend, aber geht einher mit einer starken psychischen Belastung.
  • Therapeutische Maßnahmen erstrecken sich von der Behandlung mit Zink als Regulator des Immunsystems bis hin zu Steroidhormonen.

Was ist Alopecia areata?

Alopecia areata bzw. kreisrunder Haarausfall ist neben androgenetischer Alopezie und diffusem Haarausfall die dritthäufigste Form des Haarausfalls und deshalb kein Einzelschicksal. Der kreisrunde Haarausfall tritt oft infolge genetischer Veranlagung und überwiegend im zweiten und dritten Lebensjahrzehnt auf.

Symptome

Die kreisrunden, kahlen Stellen im Haar sind glatt, eingesunken, nichtschuppend. Die „Haarlöcher“ breiten sich aus und verschmelzen teilweise miteinander. Schmerzen, Juckreiz, Schuppen oder andere Beschwerden entstehen nicht. Männer sind häufiger betroffen als Frauen. In den weitaus meisten Fällen wachsen die Haare wieder nach, wenn die Haarfollikel nicht vernarben und dadurch die Haarproduktion wieder aufnehmen können. Allerdings kann der Haarausfall immer wieder auftreten. Haarausfall und Haarwachstum wechseln sich dann wellenförmig ab.

Ursachen

Mediziner gehen davon aus, dass für den kreisrunden Haarausfall eine Störung des Immunsystems verantwortlich ist. Die körpereigenen Abwehrzellen, die normalerweise der Abwehr von Keimen dienen, greifen die Haarfollikel an, sobald diese ihr Immunprivileg verlieren. Die darauffolgende Entzündung der Haarfollikel stört das Wachstum der Haare und mündet in einem Haarausfall. Warum der Haarausfall kreisrund erfolgt, ist noch nicht befriedigend geklärt.

Alopecia Areata Varianten

Fortgeschrittene Formen von Alopecia areata sind Alopecia totalis und Alopecia universalis. Alopecia totalis heißt: Die gesamte Kopfbe­haa­rung fällt aus, zusätzlich Augen­brauen und Wimpern. Alopecia universalis bedeutet: Alle Haare auf dem Kopf fallen aus, zusätzlich Augen­brauen, Wim­pern und Nasenhaare. Die komplette Körperbe­haarung fehlt.


Ist Alopecia areata gefährlich?

Alopecia areata ist nicht gefährlich und nicht ansteckend. Kreisrunder Haarausfall entsteht weder infolge eines Mangels an Vitaminen oder Spurenelementen noch als Folge einer Vergiftung. Keineswegs handelt es sich bei der Alopecia areata um das Symptom einer bestimmten inneren Erkrankung oder um eine hormonelle Störung. Trotzdem kann die Alopecia areata die Betroffenen sehr stark seelisch belasten, umso stärker, wenn die Haare auf dem gesamten Kopf oder dem vollständig am Körper ausfallen (Alopecia areata totalis und Alopecia areata universalis).

Diagnose

Betroffene sollten sich bei kreisrundem Haarausfall auf jeden Fall an einen Hautarzt wenden. Bei der Untersuchung findet der Dermatologe mit Lupe oder Dermatoskop im Randbereich der scharf begrenzten, kahlen, runden bis ovalen Stellen Haare, die sich leicht herausziehen lassen. Noch auffälliger sind „Ausrufezeichenhaare“. Diese entstehen aus der Verjüngung der Haare zur Haarwurzel hin, was durch eine Störung des Verhornungsprozesses des Haares bzw. seiner Keratinisierung erklärt werden kann. Bei manchen Betroffenen verändern sich auch die Fingernägel, deren Hornsubstanz ebenfalls aus Keratin besteht. Auf den Fingernägeln bilden sich Grübchen oder Rillen.

Behandlung

Da es sich bei Alopecia areata um eine Störung des Haarwachstums handelt, ist der Haarausfall prinzipiell reversibel und erfordert eigentlich keine Behandlung. Bei vielen der Betroffenen mit schwach ausgeprägter Alopecia areata wachsen die kahlen Stellen wieder zu. Zunächst werden sehr feine, farblose Haare sichtbar, die sich jedoch nach einiger Zeit zu einem kräftigen Terminalhaar weiterentwickeln.

Hautärzte verschreiben zur Behandlung je nach Schwere des Haarausfalls die Einnahme von Zink, da Zink als Regulator des Immunsystems wirkt. Aufgrund des geringen Risikos für Nebenwirkungen eignet sich Zink vor allem auch für Kinder. Als Therapie bevorzugt werden vor allem äußerlich anzuwendende hormonelle Wirkstoffe, Kortikosteroide oder Glucocorticoide, welche die Immunreaktionen des Körpers abmildern. Gesucht werden auch alternative Wirkstoffe, die den Zellstoffwechsel an der Haarwurzel stabilisieren.

War dieser Artikel hilfreich für Sie?
Bewertungen: 11 Durchschnitt: 4.5

WEITERE BEITRÄGE